Hinter dem Vorhang der perfekten Illusion
- Florian Wolf

- 22. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
WWE Unreal Staffel 2 verspricht Nähe und liefert vor allem Markenpflege

WWE Unreal Staffel 2 (2026) Kritik von Florian Wolf
Wrestling war immer mehr als bloße Körperkollision. Es war Mythos, Märchen und mediale Übereinkunft zugleich. Die WWE hat dieses Spiel zwischen Wahrheit und Täuschung perfektioniert. Für Kinder sind die Superstars Helden, größer als das Leben selbst, klar verortet zwischen Gut und Böse. Erwachsene dagegen suchen das Rissige, das Unsaubere, das Echte hinter der Fassade. Nicht der Sieg interessiert, sondern der Preis, den der Körper zahlt, und die Biografien, die sich unter den Kostümen verbergen.
WWE Unreal (2025-) verspricht genau diesen Blick hinter den Vorhang. Inspiriert vom Erfolg von Drive to Survive soll Nähe hergestellt werden, Intimität, Einblick. Doch was zunächst wie Öffnung wirkt, entpuppt sich schnell als kontrollierte Transparenz. Vor allem die ersten Episoden gleichen einer Hochglanz Rückschau. Bekannte Momente werden neu gerahmt, mit Kameras, die noch näher am Ring kleben, mit Schnitten, die Emotionen verdichten, mit Bildern, die Helden erschaffen, wo eigentlich Fragen entstehen müssten. Die Serie feiert, sie analysiert nicht. Sie illustriert, sie hinterfragt nicht. Der Blick bleibt gefangen im eigenen Mythos.
Dabei gäbe es genug Bruchstellen. Die Entlassung eines Fanlieblings wie R Truth. Der misslungene Heel Run von John Cena. All das schwebt wie ein unausgesprochener Subtext über der Staffel. Doch Unreal schweigt. Wo Konflikte auftauchen, sind sie bereits entschärft, bekannt, eingeordnet. Fehler werden gezeigt, aber nur dort, wo sie der Erzählung nicht schaden. Das Unternehmen erscheint als harmonische Maschine, reibungslos vor und hinter dem Vorhang. Eine Behauptung, die niemand wirklich glaubt, und die doch unbeirrt wiederholt wird.
Erst spät erlaubt sich die Serie einen Moment der Offenheit. Jelly Roll, der Musiker, der sich in den Ring kämpft, liefert einen seltenen Augenblick echter Verletzlichkeit. Hier geht es nicht um Image, sondern um Körper, um Grenzen, um einen lange gehegten Traum. Plötzlich ist spürbar, was diese Serie hätte sein können. Eine Erzählung über Transformation, über Scheitern, über das fragile Verhältnis von Inszenierung und Realität.
Am Ende bleibt der Eindruck einer verpassten Chance. WWE Unreal sieht gut aus, ist perfekt geschnitten und professionell produziert. Doch es wagt nichts. Es erzählt Bekanntes in schöneren Bildern und nennt das Einblick. Was bleibt, ist eine Dokumentation, die weniger enthüllt als verhüllt und damit näher an der eigenen Markenpflege bleibt als an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Phänomen Wrestling.

