top of page

A Minecraft Movie (2025): Sinnbild des kreativen Ausverkaufs

  • Autorenbild: Florian Wolf
    Florian Wolf
  • 4. Apr. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

WERTUMG: ½


Dass es bis ins Jahr 2025 gedauert hat, bis eine Verfilmung des Videospiels Minecraft erschien, ist wohl das einzig Überraschende an diesem Film. Alles Weitere entspricht genau dem, was man von einer Hollywood-IP-Verfilmung erwarten kann – und befürchten muss. Besonders Videospielverfilmungen tun sich nach wie vor schwer auf der großen Leinwand. Zwar gab es in den letzten Jahren Fortschritte im Serienbereich, etwa mit The Last of Us (2023–) oder Fallout (2024–), doch während diese sowohl Kritiker als auch Publikum, aber vor allem die Fans, überzeugen konnten, bleibt das Kino ein schwieriges Terrain. Eine der wenigen Ausnahmen scheint der animierte The Super Mario Bros. Movie (2023) gewesen zu sein, der über 1,3 Milliarden Dollar einspielte. Doch für jede erfolgreiche Adaption gibt es unzählige misslungene – und dennoch keimt bei jeder neuen Ankündigung unter den Fans der Vorlage die Hoffnung auf: Vielleicht, nur vielleicht, könnte es diesmal gelingen.

 


© Warner Bros.
© Warner Bros.

Im Falle von Minecraft schien das Potenzial für eine gelungene filmische Umsetzung durchaus gegeben. Schließlich basiert das Spiel auf einer offenen Sandbox-Struktur, die nahezu unbegrenzte kreative Möglichkeiten bietet. Es gibt zwar in gewisser Weise eine Geschichte mit festen Figuren, aber die Spieler müssen sich nicht daranhalten, sondern erschaffen ihre eigenen Welten. Damit stellt sich nicht die Frage, wie eine Geschichte aus Minecraft adaptiert werden kann, sondern welche Geschichte man überhaupt erzählen will. Die Antwort, die Warner Bros. darauf gibt, ist jedoch erschütternd ernüchternd.

 

Schon die ersten Trailer ließen Schlimmes befürchten: Die Optik wirkte wenig überzeugend, die Zuversicht sank weiter, als bekannt wurde, dass gleich fünf verschiedene Autoren am Drehbuch arbeiteten - in den letzten Jahren in Hollywood zum Zeichen für Inspirationslosigkeit geworden. Und genau das bestätigt der fertige Film.

 

Dass A Minecraft Movie just eine Woche nach dem Start der Apple-TV-Serie The Studio (2025–) erscheint, könnte ironischer kaum sein. Die von Seth Rogen geschaffene Satire auf das heutige Hollywood-System bringt in ihrer ersten Folge bereits alles auf den Punkt, was man zu diesem Film sagen kann: Seelenlose Blockbuster werden rund um eine bekannte Marke zusammengeschustert, die Geschichte spielt keine Rolle, Kreativität ist nicht gefragt. Hauptsache, das Publikum erkennt den Markennamen. Und genau das ist A Minecraft Movie: ein Produkt, das sich auf den Namen der Vorlage verlässt, ohne sie auch nur ansatzweise verstanden zu haben.

 

Neben der bekannten IP setzt der Film auf zwei große Hollywood-Namen, um Zuschauer anzulocken: Jack Black und Jason Momoa. Beide werden vom Drehbuch im Stich gelassen – ebenso wie das Publikum. Jack Black spielt Steve, die ikonische Figur des Spiels, verwandelt ihn aber in eine überdrehte One-Man-Show, die bald unerträglich wird. Man ist für jede Szene dankbar, in der er nicht zu sehen ist. Das Problem: Dann übernimmt Jason Momoa, der als ehemaliger Arcade-Videospielprofi in einem peinlichen Kostüm durch die Handlung stolpert und eine absurde Dialogzeile nach der anderen abliefert. Warum Hollywood in Filmen für ein junges Publikum immer wieder auf Arcade-Historie zurückgreift, um den Eltern einen nostalgischen Bezugspunkt zu bieten, bleibt ein Rätsel.

 

Dass gleich fünf Autoren an diesem Skript gearbeitet haben, merkt man in jeder Szene. Der Film wirkt ziellos, überspringt wichtige Handlungspunkte und versucht sich verzweifelt als Komödie – scheitert aber an Gags, die ins Leere laufen. Keine der Figuren wird sinnvoll eingeführt oder entwickelt sich im Laufe der Handlung weiter. Alle starten mit ihren persönlichen Problemen, doch diese scheinen nach wenigen Minuten niemanden mehr zu interessieren. Das ist nicht nur faules Drehbuchschreiben, es ist Arbeitsverweigerung. Vor allem aber ist es ein fundamentaler Missgriff bei der Essenz des Spiels: Minecraft lebt von Kreativität und grenzenlosen Möglichkeiten. Dieser Film aber ist uninspiriert, einfallslos und generisch.

 

Wäre das nicht schon schlimm genug, versagt der Film auch visuell. Schon in den Trailern deutete sich an, dass die CGI-Umgebung problematisch sein könnte – und tatsächlich wirkt sie im fertigen Film steril und künstlich. Doch das größte Problem liegt in der Integration der realen Schauspieler. Sie fügen sich nie organisch in die digitale Welt ein, sodass ständig eine spürbare Distanz zwischen Vorder- und Hintergrund bleibt. Während Captain America: Brave New World (2025) für seine Greenscreen-Probleme kritisiert wurde, setzt Minecraft hier neue Negativmaßstäbe. Es entsteht nie eine glaubwürdige Welt, nie eine Atmosphäre, die die Zuschauer in das Setting eintauchen lässt.

 

A Minecraft Movie (2025) ist ein desaströses Paradebeispiel für alles, was im IP-getriebenen Hollywood derzeit schiefläuft. Aus einem der kreativsten Spiele aller Zeiten wurde ein uninspirierter, unlustiger und unnötiger Film gemacht, dem es an allem mangelt: an einer fesselnden Geschichte, an einer durchdachten Ästhetik und an jeder Form von erzählerischer Vision. Ein uninspirierter Schnellschuss, der sich auf den Namen der Vorlage verlässt, ohne sie jemals verstanden zu haben. A Minecraft Movie (2025) ist das Ergebnis, wenn ein System Filme entwickelt, um möglichst viele Menschen dazu zu bringen, eine Kinokarte zu kaufen, wobei die Qualität des Endprodukts keine Rolle spielt. Solche Filme mögen in der Regel einen gewissen Erfolg in den Kinos haben, schaden aber langfristig dem gesamten Business.


WERTUMG: ½

  • Youtube
  • TikTok
  • Letterboxd
  • X
  • Spotify

bottom of page