Trap House (2025): Die Illusion von Ernsthaftigkeit
- Florian Wolf

- 5. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Für einen kurzen Moment weiß Trap House (2025) genau, was er sein will. Eine präzise inszenierte DEA Aktion an der mexikanischen Grenze etabliert Realismus, Härte und Genrekompetenz. Doch sobald der Film seinen Fokus verschiebt, zerfällt dieses Versprechen und legt die strukturellen Schwächen eines typischen Streamingprodukts offen.

Trap House (2025) Kritik von Florian Wolf
Dave Bautista in einem Streaming-Actionfilm. Viel mehr als solide Genre-Ware darf man kaum erwarten oder doch? In seinen ersten Minuten überrascht Trap House (2025) tatsächlich. Eine DEA-Razzia an einer Tankstelle nahe der mexikanischen Grenze, kontrolliert von einem Drogenkartell und verbunden durch einen Tunnel, ist handwerklich sauber inszeniert. Die Sequenz folgt klassischen Mustern des Border-Actionkinos, evoziert eine raue, körperliche Direktheit und verspricht einen harten, realitätsnahen Zugriff auf das Genre. Für einen kurzen Moment scheint der Film zu wissen, welchen Ton er anschlagen will.
Dieser Eindruck beginnt jedoch zu bröckeln, sobald eine Gruppe von Highschool-Schülern ins Zentrum der Erzählung rückt. Die Clique um Cody, gespielt von Jack Champion, aktuell im Kino in Avatar: Fire and Ash (2025) zu sehen und hier kaum wiederzukennen, entpuppt sich als Nachwuchs der DEA-Agenten. Formal versucht der Film nun, zwei Genres miteinander zu verschränken: den Actionthriller und das klassische Highschool-Coming-of-Age-Narrativ. Diese Verbindung ist theoretisch legitim, schließlich ließe sich über familiäre Verstrickungen, Vererbung von Gewalt und moralische Grauzonen erzählen. Doch spätestens in dem Moment, in dem sich die Jugendlichen entscheiden, selbst Jagd auf das Geld des Kartells zu machen, kippt der Film vollständig in eine erzählerische Unentschiedenheit, die jeden Anspruch auf Realismus untergräbt.
Regisseur Michael Dowse hält paradoxerweise weiterhin an einer realistischen Inszenierungsweise fest. Kamera, Schnitt und Actionchoreografie bemühen sich um Bodenhaftung, während das Drehbuch längst jede Plausibilität preisgegeben hat. Diese Diskrepanz macht den Film unfreiwillig komisch. Weder Action noch Handlung lassen sich ernst nehmen, da sie permanent zwischen Genrekonvention und jugendlichem Abenteuerfilm oszillieren. Besonders problematisch ist dabei die Figurenzeichnung. Die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Cody und Ray, gespielt von Bautista, bleibt skizzenhaft und funktional. Der Film verlässt sich darauf, dass das Publikum emotionale Leerstellen selbst füllt, anstatt sie dramaturgisch auszuarbeiten.
Auch die Nebenfiguren bleiben bloße Plotmarker. Die Freundesgruppe existiert weniger als soziale Einheit denn als dramaturgisches Werkzeug. Ihre Beziehungen untereinander, zu den Eltern oder zur Institution DEA werden kaum reflektiert. Damit verschenkt der Film die Möglichkeit, Themen wie Loyalität, Autorität oder Generationskonflikte auszuleuchten. Wenn das Drehbuch schließlich versucht, emotionale Akzente zu setzen, wirkt es überladen und vorhersehbar. Besonders deutlich wird dies in der Liebesbeziehung zwischen Cody und Teresa, die schneller etabliert ist, als sie erzählerisch gerechtfertigt werden kann. Ihre Funktion erschöpft sich darin, narrative Notwendigkeiten zu bedienen. Im Finale wird diese Konstruiertheit offen sichtbar: Alle Handlungsstränge greifen mechanisch ineinander, ohne organisch gewachsen zu sein.
So bleibt der Eindruck eines Films, der sein eigenes Potenzial verspielt. Trap House (2025) hätte ein solider, schnörkelloser Actionfilm sein können. Stattdessen verzettelt er sich im Versuch, zu viele Figuren, Themen und Genres gleichzeitig zu bedienen. Übrig bleiben vereinzelte funktionierende Actionszenen und ein gewisser Charme, der jedoch kaum über den Eindruck hinausreicht, hier den gegenwärtigen Durchschnitt eines algorithmisch kalkulierten Streamingfilms zu sehen.



