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Das richtige Leben im animierten Falschen: Ozi: Voice of the Forest (2023)

  • Autorenbild: Florian Wolf
    Florian Wolf
  • 5. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

OZI: VOICE OF THE FOREST (2023) inszeniert ökologische Gegenwartsfragen als kindgerechte Fabel und bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen pädagogischem Anspruch, formelhafter Narration und medienpolitischem Optimismus. Der Film nutzt die vertrauten Strukturen des Animationskinos, um Themen wie Klimawandel, Umweltzerstörung und Aktivismus zu vermitteln, reduziert dabei jedoch komplexe ökologische und gesellschaftliche Zusammenhänge auf moralisch eindeutige Bilder.



Ozi: Voice of the Forest (2023) Kritik von Florian Wolf


Mit seinen warmen Farben und dem bewusst schlicht gehaltenen Animationsstil richtet sich OZI: VOICE OF THE FOREST (2023) primär an ein junges Publikum. Ästhetisch orientiert sich der Film weniger an der künstlerischen Tradition des klassischen Disney- oder DreamWorks-Kinos als vielmehr an der Bildsprache serieller Vorabendformate. Diese visuelle Reduktion ist Teil einer klaren Adressierung, steht jedoch im Spannungsverhältnis zu dem ambitionierten Anspruch, komplexe Themen wie Klimakrise und Naturschutz narrativ zu vermitteln. Dieser pädagogische Impuls wirkt stellenweise didaktisch und aufgesetzt, findet jedoch vereinzelt zu überzeugenden, kindgerechten Beobachtungen.


Die Narration folgt konsequent der subjektiven Perspektive Ozi’s, eines jungen Menschenäffchens, das nach der Zerstörung seiner idyllischen Heimat von seinen Eltern getrennt und in einer menschlichen Auffangstation sozialisiert wird. Als Ozi erfährt, dass ihre Eltern die Feuerrodung überlebt haben, setzt der Film auf die klassische Motivik der Reise als Initiationsprozess. Der Weg durch den Urwald fungiert dabei als Prüfungsraum, in dem Identitätsbildung, Verlust und Hoffnung verhandelt werden.


Regisseur Tim Harper greift dabei auf das etablierte Modell der Helden- und Coming-of-Age-Reise zurück, inklusive klar definierter narrative Beats und comic relief Figuren, die aus der Tradition des Animationskinos bekannt sind. Die formelhafte Struktur wird kaum variiert, da der Fokus weniger auf narrativer Innovation als auf der Vermittlung einer klaren moralischen Botschaft liegt. Der Film versteht sich explizit als Träger eines ökologischen Diskurses.


Klimawandel, Umweltzerstörung und Greenwashing werden als zentrale Themen verhandelt, deren politische Dimension für ein junges Publikum vereinfacht wird. Besonders überzeugend ist die filmische Gegenüberstellung von authentischer Natur und ihrer künstlichen Reproduktion, die sich als visuelle Metapher für ökologische Entfremdung lesen lässt. Gleichzeitig berührt der Film philosophische Fragestellungen, etwa nach dem richtigen Leben im falschen, die für Kinder schwer zugänglich bleiben, für ein älteres Publikum jedoch eine fast naiv anmutende, moralische Klarheit entfalten.


Problematisch wird der Film dort, wo er zwanghaft zeitgenössisch sein möchte. Die Entscheidung, Ozi zur Influencerin zu machen, etabliert Social Media als narrative Lösung und nicht als Gegenstand kritischer Reflexion. Die Beziehung zwischen Kind und Tablet bleibt unhinterfragt, und der entsprechende Handlungsstrang wirkt wie eine Projektion erwachsener Vorstellungen von Jugend- und Netzkultur. Statt Medienkritik dominiert ein ungebrochener Technikoptimismus.


In der Tradition der Fabel angesiedelt, versucht OZI: VOICE OF THE FOREST (2023), gesellschaftliche Gegenwartsfragen in eine kindgerechte Erzählform zu überführen. Visuell gelingt es dem Film jedoch nicht, sich ausreichend von bestehenden Streaming- und Fernsehformaten abzuheben, um das Kino als besonderen Erfahrungsraum zu behaupten. Während einzelne Figuren und Motive emotionale Resonanz erzeugen, bleibt insbesondere der Social-Media-Plot ein störender Fremdkörper. Und doch entwickelt der Film Figuren, mit denen man mitgeht, die man begleitet und denen man trotz aller Schwächen eine gewisse Sympathie entgegenbringt.


Ozi: Voice of the Forest (2023) Kritik Wertung: ★★★


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