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Die ästhetische Selbstüberschätzung von HIM (2025)

  • Autorenbild: Florian Wolf
    Florian Wolf
  • 20. Nov. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

HIM (2025) tritt mit dem Anspruch an, den American Football zu dekonstruieren und zugleich in mythische Höhe zu erheben. Doch hinter der Wucht seiner Bilder und der Schwere seiner Symbolik zeigt sich ein Film, der seinen Gegenstand nur oberflächlich erfasst. Was als vielschichtige Allegorie gedacht ist, entpuppt sich als überladenes Spiel mit religiösen Motiven, biologistischen Fantasien und einem missverstandenen Sportethos.



HIM (2025) (2025) Kritik von Florian Wolf


HIM (2025) versucht sich an einer Hybridisierung des Sportfilms, indem er American Football mit horroresken Motiven, religiöser Ikonografie und dem Topos der körperlichen Selbstopferung verschränkt. Doch dieser Ansatz offenbart rasch ein fundamentales Missverständnis der sportlichen Praxis, was die intendierte Kritik ins Leere laufen lässt. Der Film konstruiert eingangs einen fatalistisch aufgeladenen Sportethos, in dem Schmerz als Beweis performativer Männlichkeit fungiert und Opferbereitschaft als normative Voraussetzung professioneller Teilhabe erscheint. Diese Prämisse vermag der Film jedoch nicht produktiv weiterzuentwickeln, da er in eine redundante und plakative Symbolik verfällt.


Problematisch ist vor allem die sportliche Repräsentation. American Football wird auf eine archaisierte Körperlichkeit reduziert, die den Sport zum Schauplatz eines rituell aufgeladenen Zweikampfs stilisiert. Taktik, Teamkohäsion und strategische Komplexität, zentrale Elemente dieser Sportart, bleiben ausgespart. Dadurch entsteht ein eindimensionales Bild eines hypermaskulinen Gewaltfeldes, das weniger den Sport zeigt als vielmehr ein projiziertes Männlichkeitsdispositiv. Auch die multiplen Visionen des Protagonisten, die der Film einführt, verlieren durch mechanische Wiederholung rasch ihre dramaturgische oder semantische Funktion.


Der zentrale Blutmythos, der sportliche Leistung als genetische Essenz und nicht als Ergebnis von Disziplin und Training kodiert, driftet in biologistische und potenziell nationalistische Narrative ab. Selbst Lesarten, die die Blutgaben als Dopingsymbolik interpretieren, bleiben oberflächlich und entbehren einer klaren kritischen Haltung. Die religiöse Bildsprache verschärft dieses Problem. Sowohl die an das Abendmahl angelehnte mise en scène von Cams Reflexionen als auch die überinszenierte Heiligenbild Ästhetik rund um Isaiah erzeugen eine überdeutliche, letztlich entleerte Symbolüberfrachtung.


Auf formaler Ebene gelingen dem Film dennoch einzelne prägnante Momente. Isaiahs Anwesen, mit seinen runden architektonischen Strukturen, sakral wirkenden Fensterformen und einer Requisitenlandschaft aus Trophäen und Devotionalien, entfaltet eine visuelle Ambivalenz zwischen Heiligtum und Halluzination. Auch das Sounddesign erzeugt durch die Betonung körperlicher Kollisionen akustische Unmittelbarkeit. Visuelle Akzente wie Helm Perspektiven oder Röntgenanmutungen bei Aufprallen zeigen punktuell ästhetische Innovationsfreude.


Narrativ bleibt HIM (2025) jedoch defizitär. Die Dialoge sind monoton und funktional unpräzise, die Mentor Schüler Beziehung bleibt unterkomplex, und der finale Kampf evoziert eher das Gladiatoren Kino als eine Reflexion des Sports, dessen Bedingungen der Film kritisch befragen möchte.


HIM (2025) verfügt über produktive Ausgangsimpulse und ästhetisches Potenzial, scheitert jedoch an seiner symbolischen Überdetermination und konzeptuellen Unschärfe. Der Versuch, Sportkritik, Horror, Mythos und religiöse Parabel zu amalgamieren, führt nicht zu einer integrativen Form, sondern zu einer Reihe unverbundener Versatzstücke.


HIM (2025) Kritik Wertung: ★★

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